See it. Get it. Do it.

Eine interstellare Erfahrung … auf der Erde

See it. Get it. Do it.

Eine interstellare Erfahrung … auf der Erde

von Andrew Swann September 2015

Article Header Wie sich Schweben im All anfühlt, erfährt man in Swjosdny Gorodok, dem Sternenstädtchen nahe Moskau. Für das Relativschnäppchen von 12.500,00 Euro kann man dort zum Kosmonautentraining: nicht in die Luftleere des Alls, sondern in zwölf Millionen Liter Wasser.

Article ImageMichael Najjar im Orlan Raumanzug, Hydrolab GCTC

Es gibt genau einen effektiven Weg, Schwerelosigkeit auf der Erde für längere Zeit zu simulieren. Ein gigantischer neutral tarierter Wassertank kann die Erdanziehung außer Kraft setzen – wie eben das Hydrolab im einst streng geheimen (und noch immer beaufsichtigten) Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum im, nomen est omen, Sternenstädtchen am Rand der russischen Hauptstadt. „Es ist zimlich nah am Weltall-Feeling“ sagt Andreas Bergweiler, Geschäftsführer und Missionsleiter bei Space Affairs, eine Agentur, die Trainings auf der Anlage abhält. „Der einzige Unterschied ist, dass man sich im Weltall in der Luftleere befindet und es keine fühlbare Atmosphäre gibt. Hier umgeben einen Wassermassen, aber die Bewegungen sind gleich.“

Man schlüpft in einen echten Orlan-Raumanzug, wird in den Pool gesenkt, zu unter Wasser liegenden, lebensgroßen Atrrrappen des Swesda-Moduls der ISS und des Soyuz Raumschiffs. Hier wird man an eine Sauerstoffversorgung angeschlossen und stellt via Intercom Kontakt zur „Weltraumkontrollstation“ her, bevor es an authentische Instandhaltungsarbeiten an der Außenseite des Moduls geht. Von diesem Punkt an befindet man sich im Weltall. Aber Achtung: Eine falsche Bewegung, und man treibst ins Nichts … oder zumindest zur anderen Seite des riesigen Tanks.

Article ImageMichael Najjar während des Trainings im Orlan Raumanzug, Hydrolab GCTC

„Man muss Zug um Zug um das Modul herum“, sagt der 48-jährige deutsche Künstler und angehende Astronaut Michael Najjar. „Aber das ist der beste Teil. Es ist unglaublich aufregend und herausfordernd, schwerelos in diesem Anzug zu sein!“ Der Insider: Klaustrophobiker bleiben besser daheim! „Fühlt man sich wie eine Sardine in der Büchse, wird das nichts“, sagt Bergweiler. „Erst muss man Körper und Geist kontrollieren, bevor man sich an das Projekt wagt.“

Voraussetzungen, um beim Unterwasser-Kosmonautentraining dabei zu sein? PADI-Scuba-Diving-Zertifikat, beglaubigter Gesundheitscheck, Besuchervisum für Russland sowie Fitness, psychisch und physisch. Denn der schwere Anzug verlangt viel Kraft, während die Sessions – manche bis zu sieben Stunden lang – Kondition und Ausdauer auf die Probe stellen. Wirklich ordentliches Kardiotraining über längere Zeit ist also eine gute Vorbereitungsidee. Aber was tut man nicht alles, um in Juris Fußstapfen treten zu dürfen …

Von Andrew Swann, zuerst publiziert in „The Red Bulletin“ in UK im September 2015, dann im „The Red Bulletin“ in Österreich im Oktober 2015


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